LOGIN

Feierliche Antrittsvorlesungen an der Northern Business School

20.07.2017 08:44   

Prof. Dr. Claudia Leimkühler

Prof. Dr. Harriet Kleiminger

Prof. Dr. Daniel Mohr


Am 11. Juli 2017 fanden an der NBS Northern Business School in Hamburg die Antrittsvorlesungen der drei neu berufenen Professorinnen und Professoren der Hochschule statt.  Zu der Veranstaltung erschien ein gemischtes Publikum aus Studierenden, Wirtschaftsvertretern, Lehrbeauftragten und Mitarbeitern der NBS.
So divers wie die neu besetzten Professuren gestalteten sich auch die Themen der Antrittsvorlesungen:

Frau Prof. Dr. Claudia Leimkühler eröffnete die Veranstaltung mit ihrem Vortragstitel "Transparenz und Compliance bei kirchlichen Gebietskörperschaften". Thematischer Aufhänger war die Berichterstattung deutscher Tageszeitungen zur Vermögenssituation der Kirchen in Deutschland, welche darauf hinweist, dass sich in der Gesellschaft Vorurteile zu vermeintlichen Fakten verselbstständigt haben. Die hohe Skepsis der Gesellschaft gegenüber der Verantwortung und Verwaltung kirchlicher Vermögen begründete Leimkühler unter anderem damit, dass der Grad an Transparenz und Offenlegung im kirchlichen Bereich infolge der Freiwilligkeit sehr heterogen sei und nicht dem Standard entspreche, den die Öffentlichkeit von kapitalmarktorientierten Unternehmen gewohnt sei.
Weiterhin erläuterte Prof. Leimkühler das in der katholischen Kirche bestehende System der Überwachung, das Aufsicht und Kontrolle als einen arbeitsteiligen Prozess organisiert, an dem interne und externe Überwachungsträger in unterschiedlichem Maße beteiligt sind. Deutlich wurde, dass das kirchliche Überwachungssystem entgegen der verbreiteten Erwartungshaltung leistungsfähig und ausgewogen ist. Leimkühler wies auch auf die Schwächen in der praktischen Ausgestaltung hin, die nicht das System in Frage stellten, aber eine gezielte Überprüfung und partielle Korrektur des Überwachungssystems erforderlich machten. Die Vortragende resümierte, dass die Kirchen zur Sicherstellung von Transparenz und Compliance sich der Aufgabe zu stellen haben, Standards für die Erstellung und Offenlegung der Rechnungslegung wie auch die Auswahl und Bestellung der Mitglieder der Aufsichtsorgane zu definieren und umzusetzen.

Frau Prof. Dr. Harriet Kleiminger, Professur für Personalmanagement, war zweite Vortragende des Abends und führte in den Kontext "Die Entwicklung des Human Resource Management auf Basis von Menschenbildern?" ein. Dabei definierte sie Menschenbilder als vereinfachte und standardisierte Verhaltensweisen der Menschen. Die Felder des Human Resource Management (HRM), die in besonderem Maße von Menschenbildern geprägt wurden, so Kleiminger, seien die Personalführung, der Personaleinsatz sowie die Personalentlohnung. In der Theorie berief sie sich auf die Menschenbilder nach Schein (1980) und versuchte innovative HR-Konzepte auf diese zurückzuführen. Dabei folgerte sie, dass es weniger die Menschenbilder als die aktuellen Herausforderungen für Unternehmen seien, die Handlungen für das Personalmanagement erfordern. Unternehmen müssten sich auch in puncto Personalkonzepte agiler aufstellen, um diesem Herausforderungen gerecht zu werden. Vorbilder für ein agiles HRM, so Kleiminger, seien internetbasierte Unternehmen wie XING, Google oder Netflix.

Letzter Vortragender war Herr Prof. Dr. Daniel Mohr, der die Professur für Steuerlehre innehat. Er widmete sich dem Thema "Besteuerung der Tourismusbranche - Irrlichter und Hoffnungsschimmer". Zunächst nannte Mohr ein paar imposante Zahlen zur Branche, die ca. 3 Millionen Beschäftigte umfasse und jährlich 290 Milliarden Euro Umsatz generiere. Zurzeit arbeite jeder 15. Deutsche in diesem Sektor.
Den Fokus seiner Ausführungen legte Professor Mohr auf eine Interpretation des Gewerbesteuergesetzes, ausgelöst durch die Unternehmenssteuerreform im Jahr 2008. Die Reform sähe vor, dass Unternehmen ihre Mietaufwendungen für Immobilien versteuern müssen. Für Reiseveranstalter bedeute dies, dass sie auf veräußerte Hotelkontingente Gewerbesteuer zahlen müssen, und zwar rückwirkend. Die Kritik der Branchenvertreter an dieser Auslegung des Gesetzes sei immens. Hauptkritikpunkt: Ein Hotelvertrag beinhalte für gewöhnlich ein Leistungspaket, das mit der Anmietung des Zimmers nichts gemein habe.
Als weiteres Beispiel "steuerlicher Irrlichter" nannte Prof. Mohr die Margenbesteuerung für Reisedienstleistungen, die zurzeit in Europa uneinheitlich sei. So gelte diese in Deutschland nur für den B2C-Bereich, europaweit jedoch auch für B2B-Geschäfte. Die EU-Kommission habe den deutschen Staat im Jahre 2015 daher dazu aufgefordert, das europäische Margenbesteuerungsrecht umzusetzen.

Mit den drei Antrittsvorlesungen gelang es der NBS, gute akademische Traditionen weiter fortzuführen. Auch diente diese thematische und variantenreiche Tour d’Horizon durch die Fachbereiche als neuer Impuls, um den akademischen Kern der Hochschule weiter zu verfestigen.