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Am 03.10.2020 wurden 63 Objekte in Häusern der Berliner Museumsinsel beschmutzt.

Auf der Berliner Museumsinsel wird von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ein relevanter Teil des deutschen Kulturschatzes der interessierten Öffentlichkeit gezeigt. Mit der Büste der Nofretete verfügt die Museumsinsel über einen "internationalen Star", der jährlich tausende Besucher anzieht. Umso mehr schockiert die Nachricht, dass am 03. Oktober, am Tag der Deutschen Einheit, 63 Objekte in drei der vier Häuser der Museumsinsel beschmutzt wurden.

Die Empörung über diese schändliche Tat ist verständlicherweise groß. Fragen danach, wie so etwas geschehen konnte und warum es nicht verhindert wurde, stehen sofort im Raum. Den Verantwortlichen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz eine Mitschuld zu geben, damit macht man es sich jedoch zu einfach. Der oder die Täter haben wahrscheinlich verdeckt und mit einer entsprechenden Spritztechnik agiert; sie konnten sich daher relativ sicher bewegen. Weder dem Sicherheitspersonal noch den zahlreichen Besuchern musste dies auffallen. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz steckt dabei in einem Dilemma: Auf der einen Seite hat sie den Auftrag, die Kunstschätze der Öffentlichkeit möglichst weitgehend barrierefrei und attraktiv dargeboten zu präsentieren. Auf der anderen Seite ist sie verantwortlich für den Schutz der unschätzbar wertvollen Artefakte. Eines muss man sich daher vor Augen führen: Eine hundertprozentige Sicherheit in Museen gäbe es nur zu dem Preis, daraus eine Art "Fort Knox" zu machen. Dafür fehlen aus vielerlei Gründen die Mittel und das Interesse. Die Kunst wäre also nicht mehr im bekannten Maße auszustellen.

Von dem französischen Kriminologen Alexandre Lacassagne (1843-1924) ist das Sprichwort überliefert, dass jede Gesellschaft die Verbrecher haben soll, die sie verdient. Das Phänomen der Kunstbeschädigung ist nicht neu. Dabei scheint moderne Kunst hinsichtlich allfälliger delinquenter Übergriffe einen gewissen Aufforderungscharakter zu besitzen. Berühmte Werke, so schlimm es auch ist, verleihen dem kriminellen Sachbeschädiger eine gewisse Aufmerksamkeit. Gerade für entsprechend veranlagte Menschen mit dahingehenden Defiziten kann eine negative Aufmerksamkeit Motiv genug sein.

Der Modus Operandi (lat.: "Art der Durchführung") der Tatausführung scheint bei den Sachbeschädigungen am 3. Oktober aber auf etwas anderes hinzudeuten: Der Täter ist entweder mit großer krimineller Energie durch die drei Häuser nacheinander gegangen oder es handelt sich um die abgestimmte Aktion einer Tätergruppierung. Angesichts des Ausbleibens einer öffentlichen Bekennung scheint das Motiv nicht darin zu liegen, Aufmerksamkeit zu bekommen. Vielmehr könnte es darum gehen, ein kulturzersetzendes Signal zu senden. Bereits in den Sommermonaten soll es Schmierereien am Außenbereich der Berliner Museen gegeben haben. Sollten diese Sachbeschädigungen, die durch Graffiti entstanden sind, in einem Zusammenhang mit den Taten vom 03. Oktober stehen, so könnte es sich um eine Serie handeln, die wohl noch gar nicht zu Ende ist.

Prof. Daniel Zerbin ist Professor für Kriminalwissenschaften im Studiengang Sicherheitsmanagement (B.A.) an der NBS Hochschule in Hamburg (zerbin[at]nbs.de). Von 2010 bis 2011 war er Leiter Sicherheitsdienst bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin.

Die NBS Northern Business School – University of Applied Services ist eine staatlich anerkannte Hochschule, die Vollzeit-Studiengänge sowie berufs- und ausbildungsbegleitende Studiengänge in Hamburg anbietet. Zum derzeitigen Studienangebot gehören die Studiengänge Betriebswirtschaft (B.A.), Sicherheitsmanagement (B.A.), Soziale Arbeit (B.A.), Business Management (M.A.) und Real Estate Management (M.Sc.).

Ihr Ansprechpartner für die Pressearbeit an der NBS Hochschule ist Frau Kathrin Markus (markus[at]nbs.de). Sie finden den Pressedienst der NBS mit allen Fachthemen, die unsere Wissenschaftler abdecken, unter www.nbs.de/die-nbs/presse/expertendienst.