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Die aktuelle Sicherheitswirtschaft und die Notwendigkeit zur Akademisierung: ein Experte berichtet

08.08.2017 12:36   

Peter-Michael Kessow


Peter-Michael Kessow, ehemaliger Vize-Präsident der Bundespolizei im Raum Berlin/Brandenburg und jetziger "Managing Director Security Consulting" bei der KE.SECO Beratungsgesellschaft mbH kennt die deutsche Sicherheitswirtschaft wie kein anderer. Warum öffentliche und private Sicherheitsanbieter immer näher zusammenrücken und dieser Zweig der Wirtschaft auch an den Hochschulen weiter in den Blick genommen werden muss, beschreibt Kessow in diesem Bericht.

Der G20-Gipfel in Hamburg hat es gezeigt: Öffentliche und private Sicherheit sind näher zusammengerückt. Die Zahl der Sicherheitsmitarbeiter privater Sicherheitsunternehmen, die die Polizeien von Bund und Ländern bei der Erfüllung ihrer schwierigen Aufgaben unterstützt haben, liegt im dreistelligen Bereich. So etwas hat es in dieser Größenordnung bisher nicht gegeben und sollte deshalb Anlass genug sein, über den Stellenwert der privaten Sicherheitswirtschaft und die damit verbundenen Qualitätsstandards nachzudenken.

Effektive und kohärente Lösungen für eine zukunftsorientierte Gewährleistung der Sicherheit zu identifizieren, liegt in der gemeinsamen Verantwortung von Politik, Sicherheitsbehörden, Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft. Hier beginnt auch die große Herausforderung der wenigen bestehenden Bildungseinrichtungen für das private Sicherheitsmanagement, sich den Anforderungen an Qualität und Leistungsfähigkeit dieses Berufszweiges zu stellen und aus ungelernten oder wenigstens angelernten Mitarbeitern hoch qualifizierte Fachleute heranzubilden, die nicht nur die fachlich strategischen Herausforderungen bewältigen können, sondern auch die kaufmännische Seite der Branche beherrschen. Dies geht allerdings einher mit der Forderung, der Auftraggeberseite – Öffentliche Verwaltung, Behörden, Wirtschaftsunternehmen, Veranstaltungsdienstleister etc. – immer wieder deutlich zu machen, dass Sicherheit nicht zum Null-Tarif zu haben ist und somit bei der Kalkulation der eigenen Produkte mit eingepreist werden muss. Nur so kann vermieden werden, dass der Preis des Anbieters für Sicherheitsaufgaben bei der Vergabe eine maßgebliche Rolle spielt und die Qualität dabei auf der Strecke bleibt.

Es ist also zwingend geboten, dass neben den Sicherheitsbehörden ein Wirtschaftszweig heranwächst, der mehr und mehr sein Image vom "Schwarzen Sheriff" ablegt und sich hin zur anerkannten Fachkraft mit Bachelor-Abschluss an renommierten Hochschulen entwickelt und nun durch exzellente Leistungsangebote und effiziente Systemlösungen einschließlich intelligenter Sicherheitstechnologien überzeugt. Um den wachsenden und dringenden Herausforderungen mit einem gemeinsamen Fachdialog, konzertierten Aktionen und neuen Allianzen begegnen zu können, muss insbesondere die Aus- und Fortbildung der Führungskräfte in der Sicherheitswirtschaft kontinuierlich einer Bewertung und Evaluierung unterzogen werden.

Das Studium "Sicherheitsmanagement" bietet für diesen Weg die notwendige Grundlage und ist in seiner interdisziplinären Ausgestaltung geeignet, alle Facetten eines qualifizierten Sicherheitsmanagers abzubilden. Dabei kommen die notwendigen praktischen Anteile nicht zu kurz. Das Praxissemester findet sowohl bei renommierten Sicherheitsunternehmen als auch in den Sicherheitsabteilungen großer Konzerne statt und führt die Studierenden regelmäßig ein großes Stück an ihr Berufsziel heran.

Die Vielfalt der Aufgaben im Sicherheitsmanagement macht das Berufsbild interessant und verdeutlicht den hohen Stellenwert der Sicherheit in Wirtschaft und Verwaltung. Neben den klassischen Sicherheitsfeldern Objektschutz, Zugangskontrolle, Empfangsdienst oder Veranstaltungsschutz kommen weitere Bereiche wie Cybercrime, Organisierte Kriminalität oder der internationale Terrorismus als bedeutsame Bedrohungsszenarien hinzu und müssen zunehmend auch von der privaten Sicherheitswirtschaft bedient werden. Dieser Entwicklung muss die Wissenschaft ebenfalls Rechnung tragen und entsprechende Studienmodule anbieten.

G20 war vielleicht ein Anfang – umdenken, vernetzen, kooperieren, das sind die Formeln der Zukunft. Alle Beteiligten müssen ihre Kräfte weiter bündeln und über die heutigen Organisationsgrenzen hinaus vorbehaltlos und intensiv zusammenarbeiten. Dann wird die private Sicherheitswirtschaft eine wichtige Rolle im System der Sicherheitsallianzen einnehmen und als ein Indikator für Lebens- und Standortqualität der Bürger die Innere Sicherheit in diesem Land gewährleisten.